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Mai 12

Netzsperren einfach erklärt

DNS Server (Buch)Sicher hast du schon von dem Vorhaben gehört, nach dem die Bundesregierung vorhat, mit Hilfe von Netzsperren Internetseiten mit Kinderpornografie wegzusperren.

Ich möchte hier an einem einfachen Beispiel erklären wie diese geplanten Netzsperren funktionieren und warum diese in keinster Weise dazu geeignet sind den Zugang zu Kinderpornografie im Internet zu unterbinden.

Stell dir einfach mal vor, dein Computer wäre ein Telefon und die einzelnen Internetseiten wären Telefonanschlüsse. Wenn du jetzt nur den Namen einer Internetseite kennst, kannst du diese ja nicht anrufen, da du dazu die Telefonnummer des Anschlusses wissen müsstest. Um dir zu helfen, hat dein Telefonanbieter aber ein Telefonbuch, wo alle Internetseiten und ihre dazugehörigen Anschlussnummern stehen. Wenn Du jetzt den Namen der Internetseite in deinen Telefonhörer sprichst, sucht dein Telefonanbieter in seinem Telefonbuch die passende Telefonnummer der Internetseite heraus und verbindet dich daraufhin mit der Internetseite.

Die Bundesregierung plant nun eine geheime Liste, die allein vom Bundeskriminalamt erstellt werden soll, einzuführen wo alle bekannten Internetseiten mit Kinderpornografie aufgeführt sind. Diese Liste soll regelmäßig den Telefonanbietern mitgeteilt werden, damit diese, die Telefonnummern der Internetseiten aus ihren Büchern streichen und mit einer Telefonnummer des Bundeskriminalamtes ersetzen. Das Telefon des Bundeskriminalamtes merkt sich darauf hin jeden Anrufer der diese Nummer anruft.

Wenn du nun in Zukunft mit deinem Telefon im Internet surfst, kann es dir passieren dass du versehentlich über einen Link auf einer dieser gesperrten Internetseiten kommst und dein Telefon ruft nun den Anschluss des Bundeskriminalamtes an, welcher deinen Anruf speichert und auf eine Liste mit allen anderen Anrufern setzt. Von nun an wirst du beim Bundeskriminalamt als potentieller Pädophiler geführt und es kann passieren dass du bald schon Besuch vom Bundeskriminalamt bekommst, die  dann deine komplette Wohnung durchsuchen und deinen Computer beschlagnahmen und mitnehmen.

Wenn Du jetzt immer noch der Meinung bist, dass die Netzsperren doch eine Gute Sache sind und offensichtlich gut funktionieren und du ja sowieso nie Internetseiten mit Kinderpornografie besuchst, dann solltest du wissen dass du ab nun keinen unbekannten Link mehr anklicken darfst da sich hinter jedem Link eine vom Bundeskriminalamt gesperrte Internetseite befinden kann.

Des weiteren sind diese Sperren ganz leicht zu umgehen, da jeder Telefonanbieter ein eigenes Telefonbuch hat und du bist nicht verpflichtet das Telefonbuch deines Anbieters zu benutzen, innerhalb von wenigen Sekunden kannst du das verwendete Telefonbuch gegen jedes andere beliebige Telefonbuch austauschen und ausländische Telefonbücher haben keine Einträge vom Bundeskriminalamt, sondern die originalen Telefonnummern der Internetseiten. Außerdem könnte jeder, der die Telefonnummer kennt, diese auch direkt wählen ohne ein Telefonbuch zu benutzen. Dies kannst du ganz einfach ausprobieren. Der Name dieser Internetseite ist blog.1n8.de und die dazugehörige Telefonnummer ist 85.13.140.44. Mit dieser Nummer kommst du genauso auf diesen Blog wie mit dem Namen, nur ohne das Telefonbuch deines Telefonanbieters zu benutzen.

Telefone = Computer
Telefonnummer = IP-Adresse
Telefonanschlüsse = Webserver
Telefonanbieter = Internetprovider

Das Schlimmste ist, dass durch das Vorhaben der Bundesregierung kein einziger Server mit Kinderpornografie vom Netz genommen wird und kein einziger Betreiber der die Kinderpornografie im Internet bereitstellt und verteilt ermittelt und bestraft wird. Dabei befinden sich ein Großteil der Internetserver mit Kinderpornografie in Deutschland, den USA und anderen Ländern in denen der Besitz und die Verbreitung von Kinderpornografie gesetzlich verboten sind und wo es ein Leichtes wäre die Server komplett abschalten zu lassen und die Täter zu ermitteln und zu bestrafen, statt dessen wird die Kinderpornografie nur schlecht versteckt. Dadurch wird weder Kinderpornografie, noch Kindesmissbrauch verhindert oder eingedämmt. Die ganze Aktion wird sehr sehr viel Geld kosten und größenteils Unschuldige zu potentiellen Straftätern abstempeln.

Um diesen Unsinn zu stoppen solltest auch Du die Petition gegen Indizierung und Sperrung von Internetseiten unterschreiben.

Hier wird die Funktion der geplanten Netzsperren nochmal anhand von einem LEGO-Modell erklärt.

Du solltest auch den Beitrag bei netzpolitik.org zu den geplanten Netzsperren gelesen haben.

Passend zum Thema ist auch dieser Filmausschnitt:

Mit dem ersten Glied ist die Kette geschmiedet. Wenn die erste Rede zensiert, der erste Gedanke verboten, die erste Freiheit verweigert wird, dann sind wir alle unwiderruflich gefesselt.

Erik Satie * 17. 05. 1866   -  † 01. 07. 1925

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6 Kommentare zu “Netzsperren einfach erklärt”

  1. 1 Franky 1

    Das mit der Lego-Darstellung ist eine “Super-Sache”. Da sollten selbst die Lernschwächeren zur Erkenntnis gelangen. Nur bei unserer Zensursula habe ich da meine Bedenken. Vielleicht sollte man das ganze für sie noch einmal von den Teletubbies erklären lassen. Die Legosteine sind doch etwas zu technisch. :flush_tb:

  2. 2 Cyberfux 1

    Sehr gut und verständlich erklärt!
    Ich stimme jedoch Franky zu, dass es für #zensursula noch zu kompliziert ist ;-)

    Evtl. kannst magst Du ja mal ein HowTo zum Thema in mein Wiki setzen?

  3. 3 kleiner_Baum 1

    Ganz egal, ob diese Stoppschilder jetzt kommen werden oder nicht. Was mich an der ganzen Sache beunruhigt ist diese Geheimniskrämerei darum, welche Seiten aus welchen Gründen auf diese ominöse Sperrliste kommen oder nicht. Geschweige denn die Tatsache, dass es keinerlei Kontrollinstanz dafür geben soll, die überprüft, ob eine URL wirklich zu Recht auf diese Liste geraten ist.

    So muss ich mir als Internet-User dreimal überlegen, ob ich z.B. in einem Forum einen Hilfe-versprechenden Link (nach Möglichkeit sogar tinyrl o.ä.)anklicke, oder ob dieser Link evtl. auf eine Seite führt, die einen Link zu einer Seite enthält, die auf dem gleichen Server wie ein KiPo-Angebot gehostet wird und ich darum vielleicht das Stoppschild zu sehen bekomme und somit pauschal-kriminalisiert werde.

    Ich fürchte schon jetzt die Leute, die sich nur einen Spass daraus machen überall im Netz, per Mail und in Netzwerken wie Twitter & Co Links zu posten, die auf Seiten führen, die dieses Stoppschild zum vorschein bringen. Ob das im Endeffekt dann Seiten sind die tatsächlich KiPo enthalten würden, kann dann niemand sagen, weil es von niemanden geprüft und überwacht wird.

    Natürlich kusieren im www bereits jetzt hunderte Anleitungen, wie man mit weinigen Handgriffen den DNS-Server umstellt und somit diesem Verfolgungswahn entgehnt. Aber auch das hat einen bitteren Beigeschmack. Versierte User wissen natürlich wie sie an die richtigen DNS-Server-Adressen kommen, der 08/15-User weiß dies aber nicht und wahlt sich den erstbesten bei Google & Co. aus. Das kann gut gehen, es kann aber auch schief gehen. Dann ist das Geschrei wieder groß, weil diese DNS-Server nicht direkt auf die gewünschten Webseiten leiten sondern Phishing-Seiten vorschalten.

    Ich habe schon länger den Glauben an das Gute im Menschen verloren, zumindest was das Internet betrifft.

    Bisher war das Schlimmste, wenn man auf einen unbekannten Link geklickt hat, das man sich einen Virus,Worm, Trojaner, whatever einfängt und Daten oder sogar Geld verliert. Demnächst muss man dann aber bei jedem klick damit rechnen Besuch vom BKA zu bekommen. Natürlich hat man von der Seite als Unschuldiger nichts zu befürchten. Aber so ein Ermittlungsverfahren bis zur Klärung der Unschuld dauert nun einmal eine gewisse Zeit. In dieser Zeit werden einem erst einmal vor den Augen aller sämtliche EDV, CDs, DVDs usw. aus dem Haus und vom Arbeitsplatz, dem Spint beim Sportverein, usw. geholt. Man ist bei den Nachbarn, Kollegen, Freunde, Vereinskammeraden untern durch, verliert evtl. den Job und und und. – Und was noch dazu kommt, während mehrere Polizisten, Beamten, Richter, Anwälte, whatever sich mit einem Unschuldigen beschäftigen, fehlt dieses Manpower, um gegen echte Täter vorzugehen und sich um die Opfer (Kinder) zu kümmern.

    Vielleicht ist es doch besser, seinen Internetanschluss zu kündigen, sollte dieses Vorhaben in der jetzt geplaten Form tatsächlich umgesetzt werden.

  4. 4 FERNmann 2

    @kleiner_Baum: Internetanschluss kündigen geht leider nicht, weil es im unseren Leben schon viel zu wichtig geworden ist. DNS-Server umstellen sollte vorerst reichen. Mir tun nur die Leute leid, die das nicht können und deshalb zu Unrecht verdächtigt werden. Nicht zu vergessen die Webseitenbetreiber, deren Firma könnte wegen unberechtigter Sperrung zugrunde gehen. Auch wenn alles später aufgedeckt wird, die Klatschpresse wird trotzdem ihren Artikel schreiben.

  1. 1 FoeBud e.V. – wie “Freiheitsliebe” Pädophilie begünstigt « Schluss … mit allem !
  2. 2 [LAUT]gedacht · [Internetzensur und meine Meinung]

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